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Nerven & Bandscheibe

Warum zum Neurologen wegen eines Bandscheibenvorfall?

 

Reflextestung
Die Reflextestung ist ein wichtiger erster Schritt zur Abklärung der Nervenfunktion. Darüber hinaus stehen dem Neurologen eine Reihe weiterer spezialisierter Tests zur Verfügung.

Warum soll ich denn zum Neurologen wegen eines Bandscheibenvorfalls? Soll ich nicht besser zum Orthopäden bzw. Wirbelsäulenspezialist?

Das Problem bei einem Bandscheibenvorfall ist oft, daß dieser auf einen Nerv (Nervenwurzel) drückt. Die Untersuchung der Nervenfunktion macht das Fachgebiet der Neurologe aus. Einige Neurologen haben sich darüber hinaus auf die genaue Messung der Nervenfunktionen (NLG, EMG) spezialisiert.

Die Ergebnisse der Nervenfunktionsmessung wiederum sind wichtig für die Therapieplanung. Hier arbeiten Orthopäden, weitere Wirbesäulenspezialisten und Neurologen bei Beschwerden der Wirbelsäule sinnvollerweise eng zusammen.

Die Nervenfunktionsmessung und darauf ausbauend eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit ist besonders wichtig in bestimmten Situationen:

  • wenn „Nervensymptome“ auftreten – mögliche Symptome einer Nervenreizung: die Schmerzen sind nicht nur im Nacken bzw. Rücken lokalisiert, sondern strahlen aus in Arm oder Bein; möglicherweise auch Zusatzsymptome wie Kribbeln; Mißempfindungen; Taubheit; Schwächegefühl, o.a.)
  • wenn die Frage im Raum steht, ob beispielsweise das Einschlafen der Hände tatsächlich durch die Wirbelsäule verursacht wird oder durch ein anderes Nervenproblem (das dann ganz anders behandelt werden muß)
  • wenn im MRT zu vermuten ist, daß der Bandscheibenvorfall auf eine Nervenwurzel drückt
  • wenn ein “großer” Bandscheibenvorfall im MRT zu sehen ist
  • wenn im MRT mehrere Bandscheibenvorfälle zu sehen sind die auf die Nerven drücken und nun vor Planung einer zielgenauen Therapie entschieden werden muß, welcher der Bandscheibenvorfälle tatsächlich die Beschwerden verursacht – (Vorteil moderner Therapieansätze ist oft eine erstaunliche Zielgenauigkeit im Millimeterbereich. Je zielgenauer die Therapien, desto genauer muß im Vorfeld aber geklärt werden, wo genau die Beschwerden verursacht werden).
  • wenn anhand des MRT vermutet wird, daß es zu einem Nervenschaden kommt und bleibende Ausfallserscheinungen drohen
  • wenn es um eine wichtige Therapieentscheidung geht: Muß operiert werden? Ist die Nervenfunktion in Gefahr?

Weitere Informationen darüber, welche Rolle die NLG und EMG Untersuchung im Falle eines Bandscheibenvorfalls bei der OP-Entscheidung spielt, finden Sie im nächsten Absatz.

 

 

Beispiel Bandscheibenvorfall: Ist eine Operation nötig?

 

NLG-Untersuchung
Ein Spezialgebiet der Neurologie ist die Messung der Nervenfunktionen, die sog. NLG und EMG Untersuchung. Als Neurologe kann ich also bei einem Bandscheibenvorfall mit einer spezialisierten Untersuchung die Nervenfunktion überprüfen. Anhand der NLG- und EMG-Untersuchung kann die Funktion der Nervenbahnen genau gemessen werden. Die Informationen durch die Messung kann nicht durch andere Untersuchungen (MRT o.a.) erhalten werden: Die Funktion der Nerven kann nur anhand des NLG und EMG gemessen werden; diese kann nicht im MRT gesehen werden.

Oft erlebe ich es, daß im MRT „erschreckend große“ Bandscheibenvorfälle eigentlich kaum meßbare Funktionseinschränkungen der Nerven zur Folge haben. Aber auch die umgekehrte Konstellation kommt vor: eigentlich nur kleiner Bandscheibenvorfall, dabei deutliche Auswirkung auf die Nervenfunktion.
Durch die neurologische Untersuchung kann u.a. bestimmt werden, ob eine Nervenwurzel „nur“ gereizt ist oder tatsächlich geschädigt ist. Dies ist in meinen Augen mit Abstand das wichtigste Entscheidungskriterium für die Frage, wie intensiv die Therapie geplant werden muß, ob eine Operation notwendig ist.
Da Bandscheibenvorfälle häufig im MRT zu sehen sind (auch bei völlig beschwerdefreien Personen), heißt dieser MRT-Befund nicht automatisch, daß tatsächlich ein Bandscheibenvorfall die Beschwerden verursacht. Es gibt eine Reihe von weiteren „neurologischen“ Ursachen (Nervenentzündung, Infektion, Nervenengpaßsyndrom, u.a.), die Bandscheibenbeschwerden imitieren können. Liegt eine andere Ursache vor, hilft auch die beste Bandscheibenoperation nichts, da die Ursache hierdurch nicht behoben wird. Dies vorher abzuklären, ist Aufgabe des Neurologen.
Warum also nochmal zum Neurologen wegen eines Bandscheibenvorfalls? Ich sehe die Rolle des Neurologen vorwiegend zur Mituntersuchung um bestimmte Fragen zu beantworten, wie:
Kommen die Beschwerden tatsächlich von der Wirbelsäule? Ist eine Nervenwurzel betroffen? Welche? Liegt „nur“ ein Reizsyndrom der Nervenwurzel vor? Oder liegt eine meßbare Nervenfunktionsstörung vor? Drohen tatsächlich bleibende Ausfallserscheinungen? Muß operiert werden? Gibt es ein vertretbares Zeitfenster für nicht-operative Therapien? etc.

Sehr wichtig finde ich in dieser Situation, die Untersuchungsbefunde gut abzusprechen. Ich lege an dieser Stelle – natürlich nur sofern gewünscht (manche Patienten möchten nur gezielt eine “second opinion” Untersuchung) – großen Wert auf eine gutes „teamplay“, eine gute Absprache der Befunde mit dem Behandlungsteam (d.h. mit allen mitbehandelnden Kollegen, Hausarzt, Orthopäde, Wirbelsäulenspezialist, Neurochirurg, auch Physiotherapeut, Osteopath usw.).

Wie genau eine neurologische Untersuchung bei Bandscheibenvorfall abläuft, erfahren Sie hier