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NERVENLETZUNGEN – nach Körperregionen

Schulter

Problem bei: Wurfsportarten, besonders Überkopf-Wurf-Sportarten, auch „racket sports“, ferner Sportarten mit Sturzgefährdung bzw. Sportarten verbunden mit Kollission

Sportarten mit erhöhtem Risiko: Volleyball, Handball, Tennis, Speerwurf, Basketball; Stürze: Fahrrad, Mountainbike, Ski, American football, Kampfsportarten, u.a.

Typische Symptome: Schmerzen Schulterbereich, Mißempfindungen, Schwäche, abstehendes Schulterblatt – diese Symptome können einzeln oder zusammen auftreten

Häufiger Mechanismus:

  • Überdehnung Nerven/Nervenplexus z.B. durch Sturz (Kopf wird zur Gegenseite gedrückt und Schulter nach unten gedrückt), auch häufig beim „tackling“ im football → betroffen oft folgende Nervenstränge: Radices C5, C6, Truncus superior des Plexus brachialis, N. accessorius, u.a.
  • direkte Nervenverletzung durch Schlag gegen Schulterbereich bei Kontaktsportarten → N. accessorius
  • Überdehnung durch gleichzeitiges Anheben des Arms über Schulterhöhe und Kopfwendung zur Gegenseite und Kopfbeugung (z.B. in Endphase eines Wurf, auch bei Tennis) → N. thoracicus longus
  • Asynchrone Bewegungen Arm und Schulterblatt (Skapula); Armstreckung kombiniert mit Protraktion der Schulter, oft zum Ende einer Schlag- oder Wurfbewegung (z.B. follow-through of a golf swing; boxer missing a punching bag, Tennis -> N. thoracicus longus
  • Rucksacklähmung: Druck auf Plexus brachialis
  • Volleyball Serve, sog. float serve: das plötzliche Abstoppen der Bewegung bedeutet eine deutlich größere Belastung der Außenrotatoren im Schultergelenk (exzentrische Kontraktin des M. infraspinatu) als ein “normaler” durchgezogener Wurf. Dies führt zu einer Überdehnung des N. suprascapularis zwischen den beiden Befestigungspunkten des Nerven. Die Besonderheiten dieser Bewegungsausführung erklärt, warum dieser Nerv im Aufschlagarm bei Volleyballern überdurchschnittlich häufig betroffen ist.
  • Vordere Schulterluxation (N axillaris)

Betroffene Nerven: N. accessorius, N. axillaris, N. suprascapularis, N. thoracicus longus, N. musculocutaneus

Arm

Problem bei: Wurfsportarten, Überkopf-Wurf-Sportarten belasten neben Schulter auch besonders den Ellbogen. Die auf den Ellbogenbereich einwirkenden biomechanischen Kräfte können auch hier verlaufende Nerven beeinträchtigen. Häufige Beuge-/Streckbewegungen im Ellbogengelenk sind ein weiterer Risikofaktor für Nervenreizungen an dieser Stelle.

Sportarten mit erhöhtem Risiko: Wurfsportarten, „racket sports“, Krafttraining (Biceps- und Tricepsübungen), Rudern, u.a.

Typische Symptome: Schmerzen Arm, Mißempfindungen bis in Hand und Finger, Schwäche – diese Symptome können einzeln oder zusammen auftreten

Häufiger Mechanismus:

  • Wiederholte Beugung des Arms → N. musculocutaneus, N. ulnaris
  • Wiederholte Rückhandschläge → N. musculocutaneus
  • In Ellbogenstreckung aktivierter Bizepsmuskel (exzentrische Kontraktion) kombiniert mit Unterarmpronation → N. cutaneus antebrachii lateralis (Tennis, Rudern, Rückenschwimmen), hier häufig Fehldiagnose „Tennisellbogen“
  • Wiederholte Pronation und Supination (Sportarten mit Schlägern: „racket sports“; Rückenschwimmen) → N. radialis
  • Starke Krafentfaltung in Handgelenksstreckstellung -> N. radialis, besonders tiefer Radialisast (Gewichtheben, Rudern, Schwimmen, Golf)
  • Ellbogenstreckung kombiniert mit Pronation und Faustschluß (Wurfsportarten, Gewichtheben, Tennis, Rudern) → N. medianus (Pronator Teres Syndrom)
  • Bei Ellenbogenbeugung kombiniert mit Handgelenksstreckung lastet ein besonders hoher Druck auf dem N. ulnaris in Ellbogenhöhe; in Studien wurde eine bis zu 6-fache Druckerhöhung im Vergleich zum Ruhezustand gemessen ( in der sog. „cocking position of a throw“) -> N. ulnaris Ellbogenbereich (throwing athlete)
  • Bei manchen Menschen schnappt der N. ulnaris im Ellbogengelenk über einen Knochenvorsprung; dies führt bei Sportarten verbunden mit häufiger Ellbogenbeugung zu einer besonderen Belastung des Nerven durch Reibung -> N. ulnaris (Wurfsportarten, Überkopf-Wurf-Sportarten)
  • Rennen mit stark gebeugtem Ellenbogen -> „Runners radial palsy“ (N. radialis)
  • Starkes Krafttraining Fingerbeuger Unterarm (Handexpander) → N. interosseus anterior

Betroffene Nerven: N. medianus, N. ulnaris, N. radialis, N. musculocutaneus

Hand

Problem bei: Häufigen Beuge-/Streckbewegungen im Handgelenk; über längere Zeit eingehaltene Handgelenksstreckung oder –beugung; Druck von außen auf z.B. Handgelenk

Sportarten mit erhöhtem Risiko: Radsport, Rollstuhlsport,

Typische Symptome: Schmerzen Handbereich, Mißempfindungen („Einschlafen der Hand“), Schwäche – diese Symptome können einzeln oder zusammen auftreten

Häufiger Mechanismus:

  • Wiederholte Beuge- und Streckbewegungen Handgelenk → N. medianus im Karpaltunnelsegment (Turnen, Rollstuhlsport, Rudern)
  • Längere Streckhaltung Handgelenk, ggf. zusätzliche Druckkomponente → N medianus, N. ulnaris (Radfahren, Fahrradlenker, sog. „cyclers palsy“)
  • Schlag gegen Handgelenk daumenseitig-> N. radialis R. superficialis (Hockey, Lacrosse)
  • „Bowlers thumb”: Druckläsion eines Nervenastes auf einer Daumenseite (kleinfingerseitig) durch Öffnung der Bowlingkugel
  • Druckläsion eines Nervenastes auf einer Zeigerfingerseite (daumenseitig) durch zum Bsp. Tennisschläger

Betroffene Nerven: N. medianus, N. ulnaris, N. radialis,

Becken

Betroffene Nerven und ursächlicher Mechanismus:

  • Kompression des N pudendus ist eine häufige Nervendruckläsion bei Radfahrern, abhängig u.a. von Sattelposition
Leiste

Leistenschmerzen erfordern oft eine besonders sorgfältige interdisziplinäre Abklärung (Chirurgie, Neurologie).

Folgende Nerven können bei Einengung/Kompression Schmerzen in der Leistengegend verursachen: Nervus cutaneus femoris lateralis, N. ilioinguinalis, N. iliohypogastricus, N. obturatorius, N. femoralis, u.a.

Bein

Problem bei: äußerer Druck auf Nerven oder Nervenüberdehnung bei bestimmten Bewegungen – insgesamt sind die Ursachen im Beinbereich sehr unterschiedlich (siehe untenstehend)

Typische Symptome: Schmerzen, Mißempfindungen, Taubheitsgefühl, Schwäche, gestörter Bewegungsablauf

Betroffene Nerven und ursächlicher Mechanismus:

  • N. cutaneus femoris lateralis: Nervenläsion durch Tritt oder Schlag; Druck durch Sportgerät (z.B. Gewichthebergürtel, Tauchergürtel)
  • N. cutaneus femoris posterior: Sturz auf den Gesäßbereich; Druckeinwirkung druch Fahrradsattel oder andere harte Sitzflächen (Druck an Unterrand des M. gluteus maximus)
  • N femoralis: Nervenüberdehnung durch Überstreckung im Hüftgelenkenk, besonders wenn simultan Hüftstreckung und Kniebeugung (Tänzer, Turner, Basketball, Weitsprung)
  • N saphenus: Druck auf Nervenverlauf wenn Surfbrett zwischen Knie geklemmt (sog. “surfers neuropathy”); beim Rennen/Jogging Nervenreizung durch eine Bursitis im Bereich des pes Anserinus möglich; Nervenverletzung durch Kniearthroskopie
  • N. ischiadicus: Läsionen beschrieben durch längeren Lotussitz, Druckeinwirkung Fahrradsitz, auch nach Muskelvereletzung mit Myositis ossificans
  • N. peroneus: Nervenverletzungen können vorkommen bei: Knie-Dislokationen; Bänderverletzungen Kniebereich; Schlag oder Tritt gegen seitliches Knie; Supinationstrauma im Sprunggelenk; chronische Kompression bei Läufern; Applikation von Eisspray über Fibulaköpfchen
Fuß

Typische Symptome: Schmerzen

Betroffene Nerven und ursächlicher Mechanismus:

  • N peronus superficialis:Druck durch enge Schuhe (Skischuhe, Skaten); Verletzung durch Arthroskopie
  • N. peroneus profundus: wie oben; zusätzlich Überdehnung bei Ballett, wenn en pointe
  • N. tibialis, Tarsaltunnelsyndrom: Vorkommen bei Druck durch Zyste; Überpronation bei Läufern; Nervenreizung durch Sehnenscheidenentzündung im Tarsaltunnel (Sehnenüberlastung durch häufige Beuge-/Streckbewegungen Sprunggelenk)
  • Endäste des N. tibailis: sog. “Jogger’s foot”, prädisponierend Überpronation Fuß bei Läufern
  • Interdigitalnerven: Druckeinwirkung z.B. bei Stepper oder Langlaufski; auch Mortons metatarsalgie; selten sog. „Joplins neuroma“ bei Läufern
  • N. suralis: Druck durch enge Schuhe

 

Eine Übersicht über die für diese Zusammenstellung verwendete Literatur finden Sie unter untenstehendem Link zu Fachliteratur.