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Nervenultraschall

Was ist Nervenultraschall?

Bis vor wenigen Jahren konnten Nerven nicht sichtbar gemacht werden. Im Zweifelsfalle mußten die Nerven operativ freigelegt werden, um den Nervenverlauf einsehen zu können. Der technische Fortschritt der letzten Jahre auf dem Gebiet der Ultraschalltechnik hat in der neurologischen Diagnostik faszinierende neue Möglichkeiten eröffnet: mit Hilfe moderner Ultraschallgeräte und hochfrequenter Sonden können auch kleine periphere Nerven erstmals in Echtzeit und nicht-invasiv (d.h. ohne operative Freilegung) sichtbar gemacht werden. Es handelt sich dabei um eine neue medizinische Anwendung einer bereits seit längerem in der Medizin eingesetzten Technik (am Bekanntesten der ärztliche Einsatz von diagnostischem Ultraschall in der Schwangerschaftsvorsorge). Kleine Nervenstrukturen in Arm, Bein oder Kopf, und auch Muskeln können mit modernen Ultraschallgeräten sichtbar gemacht werden.

Warum Nervenultraschall?

Die Nerven im Ultraschallbild zu sehen hilft, die Ursache einer Nervenschädigung zu diagnostizieren. Sollte eine Operation geplant sein, können die genannten Informationen, wie auch die Beschreibung eventueller anatomischer Varianten wichtige Informationen an den Operateur liefern. Diese Informationen helfen, das operative Vorgehen gezielt zu planen und Operationsrisiken zu minimieren.

Diagnosen mit Hilfe des Nervenultraschalls präziser stellen

Folgende Fragestellungen können durch Einsatz des „Nervensono“ präziser beantwortet werden:

  • Liegt ein sog Nervenengpaßsyndrom („eingeklemmter Nerv“) vor? Was drückt auf den Nerv? Oder liegt etwas anderes, z.B. Entzündung der Nerven vor?
  • Handelt es sich um etwas, das operiert werden sollte?
  • Wo genau im gesamten Verlauf ist der Nervenschaden/Nervenreizung lokalisiert?
  • Beispiel Tennisellbogen: liegt ein eingeklemmter Nerv oder eine Reizung/Entzündung der Muskelsehnen vor?
  • Kribbeln und Einschlafen der Hände – kommt das immer von der Halswirbelsäule (HWS)? Der Nervenultraschall hilft in dieser Situation rasch nachzuschauen, ob eine andere Ursache vorliegt
Therapien durch Einsatz des Nervenultraschalls gezielter planen

In vielen Situationen hilft die Nervensonographie in der Therapieplanung – im Folgenden einige Beispiele

 

  • Drückt etwas auf den Nerv, das entfernt werden muß, bevor irreversible Nervenschäden entstehen? Da dies durch den Nervenultraschall frühzeitig gesehen werden kann, ist eine Operationsplanung vor Eintreten bleibender Nervenschäden möglich
  • Liegt eine Nervenentzündung vor? In dieser Situation kann mit den Informationen des Nervenultraschall entschieden werden, daß keine Operation notwendig ist und eine gezielte antientzündliche Therapie eingeleitet werden
  • Jemand hat sich den Arm gebrochen, im Verlauf machen sich ein Taubheitsgefühl und vielleicht auch Schwäche einzelner Muskeln bemerkbar. Liegt ein Nervenschaden vor oder kommt dies durch die fehlende Belastung? Wenn ein Nervenschaden vorliegt: erfolgte diese durch den Bruch, drückte der Gipsverband auf einen Nerven oder drückt weiterhin eine Schraube/Metallplatte auf den Nerv? Ist Letzteres der Fall, sollte erneut operiert werden, in allen anderen Situationen nicht. Zum Vergelich, der „klassische“ Ansatz ohne Nervenultraschall: abwarten ob eine Besserung eintritt; wenn keine Besserung eintritt, aufmachen und nachschauen.
  • Oft bestehen auch gleichzeitig Beschwerden z.B. im Schulter-Nacken-Bereich und an den Händen oder Armen. Inwiefern beide Beschwerdekomplexe ursächlich zusammenhängen oder nebeneinander bestehen, ist oft auf den ersten Blick nicht ganz klar. Nicht immer ist die Wirbelsäule schuld. Andere Ursachen, beispielsweise ein Nervenkompressionssyndrom („eingeklemmter Nerv“) kann ähnliche Beschwerden verursachen. Mit einer Therapie der „HWS-Beschwerden“ ist dann einem „eingeklemmten Nerven“ nicht geholfen. Mit Hilfe der Nervensono kann genau das festgestellt werden und eine gezielte Therapie eingeleitet werden.
  • Nicht jeder Mensch ist gleich. Es gibt zahlreiche anatomische Varianten, die auch den Nervenverlauf, Nervenäste, Arterienverläufe usw. betreffen. Wenn eine Operation geplant ist, können anatomische Varianten zuvor festgestellt und für den Operateur beschrieben werden. Dies hilft bei der OP-Planung (Schnittführung, usw.); OP-Risiken können so minimiert werden
  • Nach einer Karpaltunneloperation treten erneut Beschwerden auf (Karpaltunnelsyndrom-Rezidiv). Liegt dies daran, daß bereits vor der Operation ein Nerventeilschaden bestand, der sich nur langsam zurückbildet, so muß in dieser Situation nicht operiert werden. Liegt es daran, daß die Operation zwar erfolgreich war, aber Narbengewebe auf den Nerv drückt, muß eine erneute Operation sorgfältig abgewogen werden. Liegt es daran, daß weiterhin an einer Stelle etwas auf den Nerv drückt, dann hilft nur eine erneute Operation weiter. – Mit der Nervensonographie erhält man all diese wichtigen Informationen um zu entscheiden, ob eine erneute Operation sinnvoll ist oder nicht.
Wie ist der Ablauf der Nervenultraschall-Untersuchung?

Mit leichtem Druck wird eine Ultraschallsonde auf die Haut aufgesetzt. Zur besseren Ankopplung wird etwas Ultraschallgel auf die Haut aufgetragen. So kann der zu untersuchende Nerv im Verlauf von Arm oder Bein dargestellt werden. Prinzipiell gibt es in der Durchführung keinen Unterschied zum Ultraschall in der Schwangerschaft, bei Bauchbeschwerden o.a. (Natürlich sind die untersuchte Region und die apparative Technik und die Software sowie die Ausbildung des Untersuchers verschieden). Die Untersuchung ist schmerzfrei und ohne Strahlenbelastung o.a.

Wann sollte der Nervenultraschall eingesetzt werden
  • Bei unklaren Kribbelmißempfindungen, Taubheitsgefühl, „Einschlafen“ von Händen oder Füßen, Schmerzen, Lähmungserscheinungen, u.a.
  • Bei Verdacht auf Nervenverletzung oder bei Verdacht auf „eingeklemmten Nerv“
  • Bei Unklarheit, inwiefern bei Schmerzsyndromen auch eine Nervenreizung dahinter stecken könnte
  • Zur differentialdiagnostischen Abklärung bei HWS-Beschwerden und beispielsweise Mißempfindungen an den Händen
  • Zur differentialdiagnostischen Abklärung bei LWS-Beschwerden und beispielsweise Einschlafen eines Fuß, Fußheberschwäche o.a.
  • Beispiel „Tennisellbogen“: Sehnenüberlastung/Sehnenentzündung oder eingeklemmter Nerv?
  • Fast immer dann, wenn auch eine NLG-Untersuchung geplant ist: komplementär zu NLG/EMG (Sichtbarmachen von Strukturen vs Messung von Funktion)
  • Zur Diagnostik von Nervenkompressionen, dabei besonders wichtig in folgenden Situationen:
    • bei atypischer Beschwerdepräsentation
    • präoperativ zur Operationsplanung
    • post-operativ im Falle anhaltender oder wiedereinsetzender Beschwerden

Information: Häufige Nervenkompressionssyndrome sind: Karpaltunnelsyndrom (KTS), Sulcus ulnaris Syndrom (SUS), bzw. Ulnarisneuropatie am Ellbogen (UNE), Tarsaltunnelsyndrom, Radialisdruckläsion („Parkbanklähmung“), Peroneusparese, Meralgia paresthetica, u.a.

 

  • Bei Polyneuropathie (insbesondere bei V.a. genetische oder entzündliche Ursache)
  • Bei Trauma mit Nervenverletzungen
    • Hier oft wichtige Entscheidungshilfe, ob operiert werden sollte
  • Zur gezielten ultraschallgestützten Infiltration peripherer Nerven (zum Beispiel bei Meralgia paresthetica, Karpaltunnelsyndrom, u.a.): ohne die Nerven zu verletzen Medikamente in unmittelbare Nähe eines Nerven injizieren
  • Gezielte Planung Zusatzuntersuchungen (MR-Neurographie) möglich
  • Gezielter/reduzierter Einsatz der teils schmerzhaften NLG-Untersuchung
  • In Einzelfällen auch als schmerzfreie Alternative zur NLG-Untersuchung
  • Wann immer Ihr Arzt aktuelles Bildmaterial zur OP-Planung o.a. benötigt