030 23 54 55 45 info@sport-neurologie.de

Angebote & Bilder

NEUROLOGISCHE UNTERSUCHUNG AM BEISPIEL EINES LEICHTEN KOPFTRAUMAS

Anamnesegespräch

In einem Anamnesegespräch werden zunächst die Beschwerden erfragt – z.B. bei Schwindel: Handelt es sich um einen Dauerschwindel oder einen Attackenschwindel? Wie lange dauern die Attacken? Was genau wird mit dem Wort „Schwindel“ gemeint (Drehen, Schwanken, Benommenheit, anderes)? Gibt es bestimmte Auslöser für den Schwindel (z.B. bestimmte Bewegungen, Geräusche, o.a.)? Treten mit dem Schwindel weitere Begleitsymptome auf? In der Neurologie nimmt das Anamnesegespräch einen sehr wichtigen Platz ein. Oft kann an dieser Stelle schon eine Verdachtsdiagnose formuliert werden.

Reflextestung

Auch in Zeiten sich entwickelnder moderner technischer Untersuchungsmethoden: Herzstück der neurologischen Untersuchung bleibt die sorgfältige klinische Untersuchung (Testung von Hirnnerven, Motorik, Sensibilität, Koordination, u.a.). Im Foto die Testung der Muskeleigenreflexe. Im Falle eines Schädel-Hirn-Traumas liefert diese Untersuchung wichtige Informationen über die Funktion der motorischen Zentren im Gehirn.
Auf der Basis des Anamnesegesprächs und des neurologischen Untersuchungsbefundes werden weitere Untersuchungsschritte geplant.

Vestibulo okulärer Reflex – ein wichtiger Reflex zur Testung des Gleichgewichtssystems

Nach einem Schädel-Hirn-Trauma ist Schwindel eine häufige Folge. Dies bedeutet für mich als Neurologe, daß die Funktion der Gleichgewichts- und Koordinationszentren im Gehirn und die Funktion der Gleichgewichtsorgane gezielt untersucht werden muß. Dies ist ein sehr spezialisierter Teil der neurologischen Untersuchung. Es bestehen enge Verbindungen des Gleichgewichtssystems mit der Koordination der Augenmuskeln. Im Bild zu sehen die Testung des sog. Vestibulo-Okulären Reflexes (sehr wichtiger Test des Gleichgewichtsorgans im Innenohr).

Untersuchung der Pupillomotorik

Die Nervenbahnen, die die Weite der Pupille regeln und je nach Lichtverhältnissen anpassen, gehen einmal von vorne nach hinten quer durch (fast) das ganze Gehirn. Daher ist dies ein wichtiger Test nach einem Schädel-Hirn-Trauma oder auch bei Kopfschmerzen. Eine Störung des Pupillenreflexes kann insbesondere auch eine Verletzung der Halsschlagader anzeigen und ist bei gleichzeitiger Bewußtseinsminderung ein dringliches Notfallsymptom.

Ultraschalluntersuchung hirnversorgender Gefäße

Durch den Ultraschall hirnversorgender Gefäße können Gefäßverletzungen oder Einengungen dargestellt werden. Hirnversorgende Arterien hören nicht am Hals auf – meine Untersuchung umfaßt daher immer, wie im Bild zu sehen, auch die Darstellung der Arterien innerhalb des Kopfes (intrakraniell).

Kognitive Testung

Neben der körperlichen neurologischen Untersuchung ist auch die Untersuchung der geistigen Funktionen des Gehirns (kognitive Testung, neuropsychologische Testung) nach einer Kopfprellung wichtig. Defizite bei Konzentration oder Gedächtnis werden oft nicht gezielt untersucht. Unerkannt und unberücksichtigt besteht nach einer Kopfprellung ein erhöhtes Risiko, letztlich auch bleibende Schäden zu entwickeln. Die Untersuchung geschieht in einer gezielten computergestützten Testung (nicht im Bild zu sehen).

Neurologische Untersuchung bei Verdacht auf Nervenreizung oder Nervenverletzung

Anamnesegespräch

Grundlage aller weiteren Abklärungen ist ein ausführliches Anamnesegespräch – z.B. bei Schmerzen: Seit wann bestehen Schmerzen? Wie fühlen sich die Schmerzen an (stechend ziehend, brennend o.a.)? Strahlen die Schmerzen aus? Wohin? Was provoziert die Schmerzen und was lindert die Schmerzen? Besteht eine Überempfindlichkeit auf Berührung? Bestehen Mißempfindungen (Kribbeln, Ameisenlaufen, Nadelstechen o.a.)? Wo genau? Sind bestimmte Bewegungen eingeschränkt? Besteht eine Kraftminderung? Für welche Bewegungen? Bzw. bei welchen Tätigkeiten wird dies bemerkt? usw.

Reflextestung

Durch die Überprüfung des motorischen Systems (gezielte Krafttestung einzelner Muskeln und Reflexe u.a.) können Nervenverletzungen durch Sport aufgedeckt werden. Im Foto die Testung der Muskeleigenreflexe.

Einzelkrafttestung

Bei V.a. eine Verletzung der Nervenstränge in Arm oder Bein sollte die Funktion einzelner Muskeln gut untersucht werden. Im Bild zu sehen die Krafttestung der Fingermuskulatur. Eine der schönen Aspekte an der Neurologie ist für mich als Arzt, daß man in einer „mit Köpfchen“ durchgeführten neurologischen Untersuchung auch ohne Apparate schon sehr viele Informationen über den Funktionszustand der Nerven bekommen kann.

Nervenultraschall Arme

Hat sich der Verdacht auf ein Problem eines peripheren Nerven erhärtet, dann kann ich mir mit der neuen Methode des Nervenultraschall ein genaueres Bild der Nerven machen. Ist der Nerv eingeklemmt? Wodurch? Drückt etwas auf den Nerv? Was drückt auf den Nerv: Zyste, vergrößerter Muskel, anatomische Engstelle, etc? Liegt eine Entzündung vor? etc.

Nervenultraschall Beine

Auch die Nerven im Verlauf von Beinen und Füßen können mit dem Nervenultraschall gut untersucht werden. Der Nervenultraschall liefert wichtige Informationen für die Therapieplanung.

NLG-Untersuchung Fuß

Bei V.a. Nervenschaden ist es nicht nur wichtig, den Nerven zu sehen, sondern auch, die Funktion der Nervenbahnen zu messen. Symptome wie Taubheitsgefühl, Kribbeln, Kraftminderung können auf eine Blockierung der Leitungsfähigkeit der Nervenbahnen hinweisen. Die Untersuchung der Nervenleitung ist sehr exakt. Schon zu einem frühen Zeitpunkt können damit beginnende Probleme der Nervenleitung festgestellt werden – so kann man früh etwas gegen die Ursache tun, bevor es zu bleibenden Ausfallserscheinungen kommt.

Was passiert bei der NLG-Untersuchung?

Bei der NLG-Untersuchung wird die elektrische Leitfähigkeit der Nerven gemessen. Dazu werden die Nerven mit Stromimpulsen gereizt. Die Stromimpulse sind spürbar, werden meist als unangenehm aber nicht besonders schmerzhaft beschrieben. Patienten, die eine Schmerzbehandlung mit einem TENS-Gerät hatten, vergleichen die Untersuchung oft damit. Aus medizinischer Sicht ist die Untersuchung völlig ungefährlich; ein Risiko für bleibende Schäden besteht nicht.

millimetergenaue Injektion von Medikamenten durch Ultraschallkontrolle

Sie sehen im Einzelnen: die Nadelspitze (zielgenaue Injektion der Medikation), den Weg der Nadel (Verletzungen wichtiger Strukturen sollten natürlich vermieden werden), die Zielstruktur (Nerv – das Medikament soll möglichst nahe injiziert werden, der Nerv aber nicht verletzt werden) und die direkt daneben liegende Struktur (eine versehentliche Punktion z.B. eines Blutgefäßes sollte vermieden werden). Links zur Einordnung der Größenmaßstab, es sind 3mm eingezeichnet.

Eine Nervenblockade bringt bei Nervenschmerzen oft rasche und deutliche Schmerzerleichterung. Neben der Therapiewirkung kann dies auch diagnostisch wichtig sein (handelt es sich tatsächlich um Nervenschmerzen?). Um eine gute Wirkung zu entfalten, sollte die Medikation möglichst nah an den Nerven injiziert werden. Hier setze ich ebenfalls den Nervenultraschall ein. –Die Sonographie ermöglicht eine Kontrolle der Nadelposition im Millimeterbereich; dadurch werden die Effektivität und Sicherheit von Injektionen erhöht.

Bandscheibenvorfall, Radikulopathien

Ich habe einen Bandscheibenvorfall, muß ich jetzt operiert werden? – Was für Therapiemöglichkeiten gibt es? – Ich habe einen Bandscheibenvorfall – ist das schlimm? – Was kann passieren? – Wann muß eine Operation sein? – Gibt es die Möglichkeit nicht-operativer Therapien? – Im MRT sieht man einen großen Bandscheibenvorfall – muß ich operiert werden? – Gibt es ein verantwortbares Zeitfenster für nicht-operative Therapiemaßnahmen?

Mit diesen oder ähnlichen Gedanken und Fragen stellen sich oft Patienten vor. Im Folgenden möchte ich Schritt für Schritt den Untersuchungsablauf darstellen, um diese Fragen beantworten zu können.

  • ausführliche Anamneseerhebung
    • dies bedeutet: Anamnese beschreibt das initiale Gespräch des Arztes mit dem Patienten; die Beschwerden sollen möglichst genau erfaßt werden. Was ich auch wichtig finde: Je nach Lebenssituation werden bei rein medizinisch gesehen eigentlich ähnlichen Beschwerden von verschiedenen Menschen verschiedene Therapieziele genannt.
    • Fragestellungen in diesem Untersuchungsschritt: welche Beschwerden bestehen, seit wann, wie stark ist dadurch der Alltag gestört, was sind Ihre Behandlungsziele u.a.
    • In diesem ersten „Untersuchungsschritt“ entsteht der gedankliche Plan für die weitere Untersuchung, wo muß genauer untersucht werden usw.
  • neurologische Untersuchung
    • dies bedeutet: Untersuchung von Kraft einzelner Muskeln, Reflexen, Sensibilität, Koordination, usw. Wichtig ist mir, daß diejenigen Hautareale, Reflexe und Muskeln für welche die vom Bandscheibenvorfall bedrängte Nervenwurzel zuständig ist, genau erfaßt werden.
    • Fragestellungen in diesem Untersuchungsschritt: lst tatsächlich ein Wirbelsäulenproblem ursächlich? Oder muß parallel an andere mögliche Ursachen gedacht werden? Sind Nervenausfallssymptome erfaßbar? Welche Nervenwurzel ist betroffen? Wie schwer sind die Ausfallserscheinungen?

neurologische-untersuchung

 

Sie sehen, den Stellenwert der Anamnese (ausführliche Befragung) und klinischen Untersuchung bewerte ich im neurologischen Untersuchungsgang sehr hoch.

Bei jedem Untersuchungsschritt sind im Hinterkopf Gedanken aktiv, werden Hypothesen aufgestellt oder verworfen. Nach der Anamnese und klinischen Untersuchung hat ein guter Neurologe schon in den allermeisten Fällen eine Arbeitshypothese erstellt. Die weitere Untersuchung wird nun daraufhin geplant, die Hypothesen bestätigt oder wenn nötig auch angepaßt.

Auch wenn ich hier einen allgemeinen Untersuchungsablauf schildere, ist es wichtig, die Details der Untersuchung immer individuell zu planen (auf Basis des Anamnesegesprächs) und nicht nach „Schema F“ vorzugehen.

  • NLG Untersuchung
    • dies bedeutet: Messung der Nervenleitgeschwindigkeit, der Nervenfunktion
    • folgende Fragestellungen: Liegt ein höhergradiger Nervenschaden durch die Bandscheibe vor? Gibt es Hinweise auf einen Nervenschaden an anderer Stelle als an der Bandscheibe? Liegt ein Nervenengpaßsyndrom vor, das Symptome eines Nervenwurzelschadens (z.B. durch einen Bandscheibenvorfall) imitieren kann?

nlg-untersuchung

Wenn sich, was immer wieder vorkommt, eine Nervenläsion an ganz anderer Stelle als der Wirbelsäule zeigt, kann an dieser Stelle eine Nervenultraschalluntersuchung angeschlossen werden
  • EMG Untersuchung
    • dies bedeutet: genauere Untersuchung der Muskeln bzw. der die Muskeln ansteuernden Nervenfasern. Genauer gesagt, die Funktion der motorischen (zur Muskulatur ziehenden) Nervenfasern der vom Bandscheibenvorfall bedrängten Nervenwurzel
    • Fragestellungen in diesem Untersuchungsschritt: liegt ein Schaden der motorischen Nervenfasern vor, also der Nervenfasern die für die Muskulatur zuständig sind? Wenn ja, ist dieser Schaden akut oder chronisch? Wie schwer ausgeprägt?
  • SEP-Untersuchung
    • dies bedeutet hier: Messung der sensiblen Nervenfasern der vom Bandscheibenvorfall bedrängten Nervenwurzel
    • Fragestellungen in diesem Untersuchungsschritt: liegt ein Schaden der sensiblen Nervenfasern vor, also der Nervenfasern die für die Empfindungsweiterleitung zuständig sind? Wie schwer ausgeprägt?
Je nach Symptomen kann im Einzelfall das Untersuchungsprogramm abweichen.
  • Besprechung der Ergebnisse:
    • Wie lautet die Diagnose? Wie ist die Diagnosesicherheit? Sind weitere Untersuchungen nötig? Was kann über die Nervenfunktion gesagt werden? Liegt ein Nervenschaden vor oder ein Reizsyndrom? Was bedeutet das für die Therapieplanung?
  • Besprechung des weiteren Vorgehens:
    • Ist eine Operation anzuraten? Drohen irreparable Ausfallserscheinungen? Gibt es ein vertretbares Zeitfenster für nicht-operative Therapieansätze? Welche Möglichkeiten gibt es hier?
  • Befundbericht
    • Schriftlicher Befundbericht, für Sie und mitbehandelnde Ärzte zur besseren Absprache des weiteren Vorgehens
Vereinbaren Sie hier einen Termin für eine ausführliche Untersuchung, eine Zweitmeinung vor einer Operation o.a. Reservierte Untersuchungszeit für die Erstuntersuchung: 30-60min (je nach Fragestellung).

Die Diagnose ist gestellt. Wie geht es weiter?

Die Therapie bei Bandscheibenvorfall setzt zumeist ein gutes „teamplaying“ voraus (Hausarzt, Orthopädie, Wirbelsäulenspezialisten, Neurochirurgie, Schmerztherapie, Physiotherapie, Manuelle Therapie, Osteopathie, Akkupunktur, u.a. – je nach Situation). Dies bedeutet u.a. eine gute Rücksprache und Absprache mit Ihrem überweisenden Arzt und auf Wunsch auch mit dem weiteren Behandlungsteam. Gerne kann ich Sie beraten und auf Wunsch auch den weiteren Therapieprozeß mitbegleiten. Je nach Verlauf muß ggf. die Therapie angepaßt werden, geändert, „ausgeschlichen“ oder intensiviert werden. In bestimmten Situationen sind auch nochmals neurologische Kontrolluntersuchungen sinnvoll, um – wenn notwendig – die Frage des Nervenschadens und der OP-Empfehlung im Verlauf nochmals zu überprüfen.

Karpaltunnelsyndrom

Eine genaue Schilderung des Untersuchungsganges bei „eingeklemmtem Nerv“ am Beispiel des Karpaltunnelsyndroms finden Sie hier

Schlußbemerkung

Oben finden Sie stellvertretend zwei Beispiele für meine Angebote einer sorgfältigen neurologischen Diagnostik und meiner Therapieangebote. Ich hoffe, ich konnte Ihnen anhand dieser zwei Beispiele mein Konzept, meine Schwerpunkte und meine Arbeitsweise zeigen. Natürlich gibt es weitaus mehr Situationen, in denen eine neurologische Abklärung und Therapie weiterhelfen kann. Bei Fragen sprechen Sie mich gerne an oder vereinbaren sie hier einen Untersuchungstermin.