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NEUROLOGIE & SPORT

Was macht überhaupt ein Neurologe?

Hätten Sie gewußt,
… daß die Neurologie die zuständige Fachdiszpiplin ist für die Abklärung von Kopfschmerzen und Schwindel?
… daß die internationale Kopfschmerzgesellschaft über 100 Arten von Kopfschmerzen unterscheidet?
… daß die häufigste Ursache von Schwindelattacken nach Kopfprellung sehr gut behandelbar ist?
….daß nach einer Kopfverletzung (Sturz, Kopfprellung o.a.) in einer neurologischen Untersuchung festgestellt werden kann, ob Gehirnstrukturen Schaden genommen haben?
…. daß die Neurologie sich nicht nur mit dem Gehirn, sondern auch mit den Nervensträngen in Armen und Beinen (peripheres Nervensystem) beschäftigt?
… daß Nervenbahnen auf dem Weg von Gehirn zu Armen/Beinen durch die Wirbelsäule ziehen und dort durch verschiedene „orthopädische Probleme“ (Bandscheibenvorfall zum Beispiel) bedrängt werden können?
… daß ein Neurologe auch bei einem Bandscheibenvorfall die Funktion der Nerven genau untersuchen kann? Daß die Einschätzung der Nervenfunktion das wichtigste Kriterium darstellt, ob ein Bandscheibenvorfall operiert werden muß?
… daß die Nervenfasern in Armen und Beinen nicht nur Schmerzinformationen von anderen Körperbereichen (Gelenke, Muskeln o.a.) an das Gehirn weiterleiten, sondern selbst Schmerzen verursachen können? Daß „Nervenschmerzen“ auf normale Schmerzmittel oft kaum reagieren, sondern ganz gezielt behandelt werden müssen?
…. daß die peripheren Nerven gezielt untersucht werden können?
… daß ein hierauf spezialisierter Neurologe mit modernen Methoden (NLG, EMG und Nervenultraschall) den Funktionszustand der Nerven genau bestimmen kann?
… daß ein Neurologe kein „Irrenarzt“ ist?

Die Neurologie beschäftigt sich mit Erkrankungen des Nervensystems (zentrales Nervensystem = Gehirn und Rückenmark; peripheres Nervensystem = Nerven im Verlauf von Armen und Beinen). Zu den häufigsten neurologisch abzuklärenden Symptomen gehören Kopfschmerzen, Schwindel, Kribbelmißempfindungen, Taubheitsgefühl, Muskelschwäche. Daneben beschäftigt sich die Neurologie natürlich auch mit den bekannten neurologischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Epilepsie, Schlaganfall, Parkinson, Demenz, Polyneuropathie, Muskelerkrankungen.

Was macht ein Sportneurologe?

… wie Sie sehen, ist die Untersuchung und Therapie von Beschwerden die mit Gehirn, Rückenmark oder den Nervensträngen zu tun haben, Aufgabengebiet des Neurologen. Eigentlich nur logisch, daß bei entsprechenden Problemen bei Sportlern ein spezialisierter Neurologe hinzugezogen wird. Ein in der Abklärung und Therapie bei Sportlern erfahrener Neurologe sollte in den hierbei relevanten Spezialgebieten der Neurologie geschult sein (NLG, EMG, neurologischer Ultraschall, u.a.) und sollte zugleich auch über Einfluß von Sport, auch sportartspezifische Besonderheiten, Verletzungsrisiken usw. informiert sein.

In meiner Praxis habe ich mich innerhalb des mittlerweile recht umfangreich gewordenen Gebietes der Neurologie auf das periphere Nervensystem und die zur Abklärung nötigen Untersuchungsmethoden (NLG, EMG, Nervenultraschall) spezialisiert. In dieses Gebiet fallen zum Beispiel das Karpaltunnelsyndrom, allgemein „eingeklemmte Nerven“, aber auch Nervenbedrängung durch Bandscheibenvorfall, ferner bestimmte Formen von Muskelkrämpfen, usw.

Kopfschmerzen, Schwindel und die Untersuchung der hirnversorgenden Arterien sind weitere Schwerpunkte in meiner täglichen Arbeit.

Sport und Nervenverletzungen

Die peripheren Nerven (Nerven im Verlauf von Armen und Beinen) können bei Sportlern auf verschiedene Weise betroffen sein. Auch wenn Nerven insgesamt seltener betroffen sind im Vergleich zu Muskeln oder Sehnen, so ist doch das Risiko bleibender Schäden und auch die Erholungszeit deutlich höher. Neben Unfällen, Verletzungen oder Druckschäden spielen oft auch biomechanische Faktoren (bestimmte, oft wiederholte Bewegungssequenzen) eine Rolle. Die Untersuchung setzt eine genaue Kenntnis von Funktion und Verlauf der Nerven in den Extremitäten voraus und erfordert oft auch den Einsatz spezialisierter Untersuchungstechniken (NLG, EMG, Nervenultraschall). Die Beschäftigung mit den peripheren Nerven beschreibt eine Subspezialisierung im Bereich der Neurologie. Eine präzise neurologische Diagnostik kann helfen, Langzeitschäden der Nerven zu vermeiden.

Sport und Kopfprellung

Auch nach traumatologisch gesehen zunächst einmal leichten Kopfverletzungen bestehen oft Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrationsstörungen, u.a. Wenn dann das durchgeführtes CT oder MRT des Kopfes normal sind, werden die Beschwerden oft bagatellisiert. Es bestehen medizinische Risiken (langsamere Rückbildung, „second hit“, Folgeschäden) wenn die Belastung zu früh wieder aufgenommen wird. Durch gezielte neurologische und neuropsychologische Untersuchungen können „return to play“ Empfehlungen gegeben werden. Eine spezialisierte neurologische Abklärung dient auch dazu, behandelbare Traumafolgen (zum Bsp. bei Schwindel oft der Fall) aufzudecken. Dies ist neurologisch ein spannendes Feld mit vielen Forschungsergebnissen aus den letzten Jahren. In den USA mit stärkerer Verbreitung „unfallanfälliger Sportarten“ sind neurologische und neuropsychologische Testungen nach Kopfverletzungen sowohl im Profisport als auch im Collegesport zunehmend etabliert.

Kopfschmerzen und Sport

Kopfschmerzen sind eine häufigsten Vorstellungsgründe in der Neurologie. Häufig werden unabhängig von sportlicher Betätigung auch vorhandene Kopfschmerzen zusätzlich durch körperliche Anstrengung ausgelöst; es gibt aber auch Kopfschmerzen, die ausschließlich bei körperlicher Anstrengung auftreten; in bestimmten Situationen können Kopfschmerzen auch erstes Zeichen einer ernsthaften Erkrankung sein. Die genaue Diagnostik von Kopfschmerzen (es gibt über 100 verschiedene Kopfschmerzarten) und die Therapie der Kopfschmerzen sind ein wichtiges Gebiet der Neurologie. Bei Sportlern ergeben sich bei der Diagnostik und auch bei der Therapieauswahl nochmals Besonderheiten.

Sport bei Menschen mit neurologischen Erkrankungen

Auch dies fällt in das Aufgabengebiet der Neurologie. Menschen die von verschiedensten neurologischen Erkrankungen betroffen sind, stellen sich mit den folgenden Fragen vor:  Gibt es Richtlinien zur Ausübung von Sport bei Menschen mit neurologischen Erkrankungen? Kann Sport zur Therapie eingesetzt werden? Was muß beachtet werden?

Wann ist eine sportneurologische Untersuchung sinnvoll?

Einige Beispiele für Fragen, mit denen Patienten zu mir kommen:

Schmerzen, Kribbeln, Mißempfindungen – liegt diesen oder anderen Beschwerden ein Problem der Nerven zugrunde? Wenn ja: Welcher Nerv ist betroffen? Wo genau? Wie schwer? Was ist die Ursache der Nervenreizung oder Nervenverletzung? Wie ist die Prognose? Was kann man tun? Sollte operiert werden?

Nach Kopfprellung: Liegt eine Schädigung des Gehirns vor? Warum ist mir so schwindelig? Welche Untersuchungen müssen durchgeführt werden? Das Bild von meinem Kopf ist normal – heißt das, ich bilde mir meine Beschwerden nur ein? Bilden sich die Symptome wieder zurück? Können bleibende Schäden entstehen? Was kann ich tun, um bleibende Schäden zu verhindern? Wie lange muß ich pausieren? In welchem Tempo kann ich das Training wieder aufnehmen?

Kopfschmerzen und Sport, eine Übersicht
  • Primäre Kopfschmerzen, koinzidentiell mit Sport auftretend
    • Meistens: Spannungskopfschmerzen, Migräne, Clusterkopfschmerz
  • Primäre Kopfschmerzen, auch unabhängig von sportlicher Betätigung auftretend, aber häufig getriggert durch Sport
    • Meistens: Spannungskopfschmerzen, Migräne
  • Kopfschmerz bei körperlicher Anstrengung (Kopfschmerzen, die ausschließlich während oder nach einer körperlichen Anstrengung auftreten); es können verschiedene Mechanismen zugrunde liegen:
    • Erhöhtes Herzminutenvolumen
    • Erhöhter Druck im venösen System
    • Kopftrauma, HWS-Trauma: post-traumatische Kopfschmerzen sind oft belastungsabhängig
    • Zervikogene Kopfschmerzen, also Kopfschmerzen die primär von Strukturen der Halswirbelsäule (Gelenke, Muskulatur) ausgehen
  • Kopfschmerzen, denen ein bestimmter sportartspezifischer Mechanismus zugrundeliegt
    • „swimmers headache“, or „swimm goggle headache“ als Beispiel für Kopfschmerzen infolge Druck (Helm, Mütze, Brillenband)
    • Spinning figure skaters
    • “divers headache” (CO intoxication; cold; decompression illness)
    • Schmerzen durch Muskelkontraktion (Muskulatur Nacken, Schläfen), auch Assoziation mit Kiefergelenk (Temporomandibulargelenk) möglich
    • Kopfschmerzen bei Aufenthalt in großer Höhe, Höhenluft

 

Quelle:
Kernick, Goadsby. Guidance fort he management of headache in sport on behalf of The Royal College of General Practitioners and The British association fort he Study of Headache. Cephalalgia. 2011 Jan; 31(1):106-11.

Anmerkung:  Für eine Übersicht über weitere bei dieser Zusammenstellung verwendeten Literaturquellen siehe Link an Seitenende zu Fachliteratur.

Wann ist es sinnvoll, die Nervenfunktion zu messen?
Die NLG und EMG Untersuchung ist besonders hilfreich um Funktionsstörungen von Muskeln, Nerven und Nervenwurzeln festzustellen.
Die NLG und EMG Untersuchung ist besonders hilfreich um Funktionsstörungen von Muskeln, Nerven und Nervenwurzeln festzustellen.

In folgenden weiteren Situationen können durch Anwendung von NLG und EMG wichtige und therapieentscheidende Informationen erhalten werden.

  • Wiederholtes Einschlafen Hände oder Füße
  • Kribbelmißempfindungen an Armen oder Beinen
  • Taubheitsgefühl an Armen oder Beinen
  • Andere Gefühlsstörungen oder Mißempfindungen an Armen oder Beinen
  • Schmerzen, insbesondere verbunden mit anderen Mißempfindungen (“Ameisenlaufen”, “wie Nadelstechen”, “brennend”, “wie Feuer”, etc)
  • V.a. Nervenkompressinssyndrom, V.a. Nervendruckläsion, V.a. “eingeklemmten Nerv”
  • Muskelschwäche an Armen oder Beinen
  • Karpaltunnelsyndrom
  • Ulnarisneuropathie am Ellbogen
    • Sulcus ulnaris Syndrom
    • Kubitaltunnelsyndrom
  • Loge de Guyon Syndrom
  • Radialisdruckläsion
    • “Parkbanklähmung”
    • “Fallhand”
    • “Saturday nicht palsy”
    • “Honeymonn palsy”
  • Thoracic outlet Syndrom
  • Meralgia paresthetica
  • Peroneusdruckläsion
    • “Fallfuß”, Fußheberschwäche
    • “slimmers palsy”
  • Tarsaltunnelsyndrom
  • Muskelschwäche, Muskelschmerzen
  • Muskelkrämpfe, die nicht auf Magnesium ansprechen, können eine neurologische Ursache haben
  • Myopathie, Muskelerkrankungen
  • Myasthenia gravis
  • Lambert Eaton Syndrom
  • Zittern (Tremor)
  • Polyneuropathie
    • Bei Diabetes
    • Bei anderen Ursachen
  • Bandscheibenvorfall
  • Spinalkanalstenose
  • Zervikale Myelopathie
  • V.a. Nervenmitbeteiligung bei Vitamin B12 Mangel
  • Claudicatio spinalis
  • etc.